In Berlin ist fast immer Festival. Im Februar stehen Menschen bei Minusgraden für Kinokarten an, zu Pfingsten tanzt die halbe Stadt auf der Straße, im Sommer wird an einem einzigen Tag auf Hunderten Bühnen gleichzeitig gespielt, und im Oktober leuchten die Fassaden.
Diese Liste führt durch das Jahr: die zehn Festivals, die man in Berlin erlebt haben sollte — von der kostenlosen Straßenparty bis zum Jazzabend. Die genauen Termine ändern sich von Jahr zu Jahr; hier steht, in welchem Monat du damit rechnen kannst.
1. Karneval der Kulturen
Kreuzberg · Vier Tage, an denen Berlin sich selbst feiert

Der Umzug 2025 · Foto: Lear 21 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Seit 1996 feiert Berlin am Pfingstwochenende seine Vielfalt. Herzstück ist das viertägige Straßenfest am Blücherplatz mit mehreren Bühnen und Essensständen aus aller Welt. Am Pfingstsonntag folgt der große Umzug: Dutzende Gruppen mit Sambatrommeln, Stelzenläufern, Soundsystems und Kostümen, an denen ein Jahr lang genäht wurde.
Wegen einer mehrjährigen Baustelle in Kreuzberg zieht der Umzug derzeit durch Friedrichshain, über die Frankfurter Allee und die Karl-Marx-Allee. Das Straßenfest ist in Kreuzberg geblieben. Beides ist kostenlos — und beides wird sehr voll.
- Wann
- Pfingstwochenende, Freitag bis Montag. Umzug am Pfingstsonntag.
- Wo
- Straßenfest am Blücherplatz in Kreuzberg, Umzug derzeit durch Friedrichshain
- Eintritt
- Frei
- Tipp
- Für den Umzug früh einen Platz an der Strecke suchen und mit der U-Bahn anreisen.
2. Fête de la Musique
Stadtweit · Ein Tag, Hunderte Bühnen, kein Eintritt

Fête de la Musique 2016 · Foto: iZilla / Wikimedia Commons, CC0 Jedes Jahr am 21. Juni, zum Sommeranfang, wird ganz Berlin zur Bühne. Die Idee stammt aus Frankreich, seit 1995 ist Berlin dabei: Vor Kneipen, in Parks, auf Plätzen, in Kirchen und Hinterhöfen spielen Bands, Chöre und DJs — alle ohne Gage, alle ohne Eintritt.
Das Schöne ist die Planlosigkeit. Du läufst durch deinen Kiez, bleibst stehen, wo es gut klingt, und ziehst weiter. Jedes Jahr steht ein anderer Bezirk im Mittelpunkt, aber gespielt wird überall.
- Wann
- Immer am 21. Juni, vom Nachmittag bis in den späten Abend
- Wo
- In allen Bezirken
- Eintritt
- Frei
- Tipp
- Such dir einen Kiez aus und bleib zu Fuß — quer durch die Stadt zu fahren kostet den halben Abend.
3. CSD Berlin
Mitte · Demonstration und Fest für queere Rechte

CSD 2021 am Brandenburger Tor · Foto: Lucas Werkmeister / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 Der Christopher Street Day erinnert an den Aufstand in der New Yorker Christopher Street 1969, und in Berlin wird er seit 1979 begangen. Er ist eine politische Demonstration für die Rechte queerer Menschen — und zugleich einer der größten Umzüge der Stadt: Hunderttausende ziehen mit Wagen, Musik und Regenbogenfahnen durch die Innenstadt bis zum Brandenburger Tor, wo die Abschlusskundgebung stattfindet.
- Wann
- Ein Samstag Ende Juli
- Wo
- Durch die Innenstadt, Abschluss am Brandenburger Tor
- Eintritt
- Frei
- Tipp
- Route und Sicherheitshinweise veröffentlicht der Veranstalter kurz vorher — vor dem Hingehen nachlesen.
4. Lollapalooza Berlin
Westend · Die großen Namen im Olympiastadion

Das Olympiastadion während Lollapalooza 2018 · Foto: C.Suthorn / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Seit 2015 hat das amerikanische Festival einen Ableger in Berlin, und nach mehreren Umzügen ist es im Olympiastadion und dem umliegenden Olympiapark heimisch geworden. Zwei Tage lang spielen hier internationale Pop-, Rock-, Hip-Hop- und Elektro-Acts auf mehreren Bühnen.
Lollapalooza ist das größte Musikfestival der Stadt und das mit dem breitesten Publikum: Es gibt ein eigenes Kinderprogramm, viel Kunst und Essen am Rand und eine Bühne nur für elektronische Musik.
- Wann
- Ein Wochenende im Sommer, zuletzt im Juli
- Eintritt
- Tickets im Vorverkauf, als Tages- oder Wochenendticket
- Tipp
- Mit S- oder U-Bahn anreisen und den Zeitplan vorher ansehen — die Wege zwischen den Bühnen sind lang.
- Adresse
- Olympischer Platz 3, 14053 Berlin
5. Rave The Planet
Tiergarten · Die Technoparade auf der Straße des 17. Juni

Rave The Planet 2023 · Foto: Sargoth / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Die Loveparade ist Geschichte, aber ihr Gründer Dr. Motte hat ihr 2022 eine Nachfolgerin gegeben. Rave The Planet ist offiziell eine Demonstration — für elektronische Musikkultur, für Frieden und Toleranz — und in der Praxis ein kilometerlanger Rave zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule.
Dutzende Wagen mit Soundsystems rollen im Schritttempo durch Hunderttausende Tanzende. Wer verstehen will, warum Techno in Berlin mehr ist als Musik, sollte einmal dabei gewesen sein.
- Wann
- Ein Samstag im Hochsommer, vom frühen Nachmittag bis zum Abend
- Wo
- Straße des 17. Juni
- Eintritt
- Frei
- Tipp
- Wasser, Sonnenschutz und Ohrstöpsel einpacken. Glasflaschen sind nicht erlaubt.
6. Berlinale
Stadtweit · Das größte Publikumsfilmfestival der Welt

Im Berlinale Palast, 2007 · Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5 Seit 1951 werden in Berlin jeden Februar die Goldenen und Silbernen Bären vergeben. Die Berlinale steht in einer Reihe mit Cannes und Venedig — mit einem Unterschied: Hier sitzt das Publikum mit im Saal. Hunderte Filme laufen in Kinos in der ganzen Stadt, und für fast alle kann jeder Karten kaufen.
Zentrum des Festivals ist der Potsdamer Platz mit dem Berlinale Palast und dem roten Teppich. Die eigentlichen Entdeckungen macht man aber in den Nebenreihen: Filme, die danach nie wieder in einem deutschen Kino laufen, oft mit Regisseurin oder Regisseur im Saal.
- Wann
- Elf Tage im Februar
- Wo
- Rund um den Potsdamer Platz und in Kinos in der ganzen Stadt
- Eintritt
- Einzeltickets pro Vorstellung
- Tipp
- Der Vorverkauf startet jeweils wenige Tage vor der Vorstellung, und gefragte Filme sind in Minuten weg.
7. Festival of Lights
Stadtweit · Zehn Abende, an denen die Stadt leuchtet

Das Brandenburger Tor beim Festival of Lights 2012 · Foto: Lotse / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 Jeden Oktober verwandeln Lichtkünstler aus aller Welt Berlins Wahrzeichen in Leinwände. Brandenburger Tor, Berliner Dom, Fernsehturm und viele weitere Gebäude werden mit Projektionen und Videokunst bespielt — seit 2005, inzwischen an Dutzenden Orten.
Das Festival ist ein Spaziergang: Du läufst abends von Fassade zu Fassade und siehst die Stadt, die du kennst, einmal anders. Es kostet nichts und funktioniert auch bei Nieselregen.
- Wann
- Zehn Tage im Oktober, jeweils abends nach Einbruch der Dunkelheit
- Wo
- Vor allem in Mitte, dazu wechselnde Orte in der ganzen Stadt
- Eintritt
- Frei
- Tipp
- Unter der Woche gehen. Am Wochenende ist rund ums Brandenburger Tor kaum ein Durchkommen.
8. Pop-Kultur
Prenzlauer Berg · Die Popmusik von morgen

Konzert beim Pop-Kultur-Festival 2017 · Foto: iZilla / Wikimedia Commons, CC0 Pop-Kultur ist kein Festival der großen Namen, sondern eines der Entdeckungen. Seit 2015 bringt es Ende August rund hundert Konzerte, DJ-Sets, Gespräche, Filme und eigens beauftragte Uraufführungen auf die Bühnen — viele davon von Künstlerinnen und Künstlern, die ein Jahr später deutlich größere Säle füllen.
Gespielt wird vor allem in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg und im silent green in Wedding. Die Säle sind klein, die Wege kurz, und an einem Abend schaffst du problemlos vier, fünf Acts.
- Wann
- Ende August
- Wo
- Kulturbrauerei, silent green und weitere Orte
- Eintritt
- Tickets pro Tag oder pro Veranstaltung
- Tipp
- Geh in ein Konzert von jemandem, dessen Namen du noch nie gehört hast. Dafür ist das Festival da.
9. Citadel Music Festival
Spandau · Open-Air-Konzerte in der Festung

Konzert in der Zitadelle, 2018 · Foto: Berlinschneid / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Die Zitadelle Spandau ist eine Festung aus dem 16. Jahrhundert, von Wasser umgeben — und jeden Sommer eine der schönsten Konzertkulissen Deutschlands. Von Juni bis August spielen im Innenhof rund zwanzig Acts, von Rocklegenden über Indie bis Hip-Hop.
Anders als bei einem klassischen Festival kaufst du hier ein Ticket pro Abend. Der Hof ist groß genug für große Namen und klein genug, dass du von überall gut siehst.
- Wann
- Einzelne Abende von Juni bis August
- Eintritt
- Tickets pro Konzert
- Tipp
- Früh kommen und vorher über die Festungsmauern laufen. Die U7 hält fast vor dem Tor.
- Adresse
- Am Juliusturm 64, 13599 Berlin
10. Jazzfest Berlin
Wilmersdorf · Seit 1964 das Schaufenster des Jazz

Vor dem Haus der Berliner Festspiele beim Jazzfest 2013 · Foto: Christophpeter / Wikimedia Commons, CC0 Das Jazzfest Berlin ist eines der ältesten und wichtigsten Jazzfestivals Europas. Wenn es draußen grau wird, kommen im Haus der Berliner Festspiele vier Tage lang die großen Namen und die mutigsten Neuen des internationalen Jazz zusammen.
Das Programm ist anspruchsvoll und reicht weit über das hinaus, was man gemeinhin unter Jazz versteht. Nach den Konzerten im großen Saal geht es in den Clubs der Nachbarschaft weiter, im A-Trane und im Quasimodo — oft bis tief in die Nacht.
- Wann
- Vier Tage Ende Oktober oder Anfang November
- Eintritt
- Tickets pro Konzert
- Tipp
- Die späten Clubkonzerte sind kleiner, günstiger und oft das eigentliche Erlebnis.
- Adresse
- Schaperstraße 24, 10719 Berlin
Neben den großen Namen gibt es in Berlin jedes Wochenende Dutzende kleine Festivals, Hoffeste und Open Airs, von denen man nur erfährt, wenn man das richtige Plakat sieht.



