Berlin isst im Stehen. Die Currywurst wurde hier erfunden, der Döner im Brot hier groß gemacht, und seit Jahrzehnten bringt jede Einwanderergeneration ihre Küche mit auf die Straße: türkische Gözleme am Kanal, vietnamesische Pho in Lichtenberg, thailändischer Papayasalat in Wilmersdorf, Hummus auf der Sonnenallee.
Diese Liste mischt bewusst Märkte und einzelne Buden — die Orte, an denen man an einem Abend um die halbe Welt isst, und die Imbisse, für die Berliner auch nach zwanzig Jahren noch anstehen. Zu jeder Adresse steht, was du probieren solltest und wann sich der Weg lohnt.
1. Street Food Thursday in der Markthalle Neun
Kreuzberg · Wo Berlins Street-Food-Szene angefangen hat

In der Markthalle Neun, 2015 · Foto: Dirk Ingo Franke / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Die Markthalle Neun ist eine der letzten erhaltenen Berliner Markthallen aus dem 19. Jahrhundert, und seit 2013 gehört sie jeden Donnerstagabend den Köchinnen und Köchen ohne eigenes Restaurant. Zwischen den gusseisernen Säulen stehen dann Dutzende Stände: Bao, Tacos, Ceviche, nigerianisches Fufu, Käsespätzle, Pastel de Nata.
Der Street Food Thursday hat den Trend in Berlin losgetreten, und viele Läden, die heute feste Adressen haben, haben hier mit einem Klapptisch angefangen. Am besten kommst du zu mehreren und teilst — sonst bist du nach zwei Ständen satt.
- Probieren
- Wechselt wöchentlich — eine Runde drehen, dann entscheiden. Dazu ein Bier aus der Hausbrauerei.
- Beste Zeit
- Donnerstag gleich zur Öffnung am frühen Abend, später wird es sehr voll
- Gut zu wissen
- Der Eintritt ist frei. Auch an den anderen Tagen lohnt die Halle: Wochenmarkt und feste Stände.
- Adresse
- Eisenbahnstraße 42/43, 10997 Berlin
2. Thaipark
Wilmersdorf · Deutschlands größter Thai-Streetfood-Markt

Die Thaiwiese im Preußenpark, 2018 — heute steht der Markt nebenan auf der Straße · Foto: Rolf Dietrich Brecher / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 Was in den Neunzigern als Picknick thailändischer Familien auf der Wiese im Preußenpark begann, ist heute ein Markt mit über zwanzig Ständen. Gekocht wird wie zu Hause: Som Tam aus dem Mörser, Pad Thai aus dem Wok, gegrillte Spieße, frittierte Bananen und Mango mit Klebreis.
Seit 2024 steht der Markt nicht mehr auf der Wiese, sondern direkt nebenan auf der Württembergischen Straße — der Park sollte sich erholen. Am Essen hat das nichts geändert. Hol dir etwas und setz dich damit in den Park. Ein weiterer Umzug an den Fehrbelliner Platz ist geplant; vor dem Besuch kurz den Standort prüfen.
- Probieren
- Som Tam (Papayasalat), Pad Thai, Mango Sticky Rice
- Beste Zeit
- Samstag- und Sonntagmittag bei gutem Wetter
- Gut zu wissen
- Nur in der warmen Jahreszeit, etwa April bis September, und nur am Wochenende. Bargeld mitnehmen.
- Adresse
- Württembergische Straße, 10707 Berlin
3. Mustafa's Gemüse Kebap
Kreuzberg · Der Döner, für den man eine Stunde ansteht

Die Schlange am alten Kiosk, 2018 — seit 2025 sitzt Mustafa's gegenüber · Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Kein Imbiss in Berlin ist berühmter. Bei Mustafa's kommt Hähnchen vom Spieß ins Brot, dazu frittiertes Gemüse — Kartoffeln, Paprika, Aubergine —, Salat, drei Soßen, zerbröselter Feta und ein Spritzer Zitrone. Das Ergebnis ist saftiger und frischer als fast jeder andere Döner der Stadt.
Jahrelang stand hier nur eine kleine Bude auf dem Gehweg. Seit dem Sommer 2025 sitzt Mustafa's auf der gegenüberliegenden Straßenseite in einem festen Laden. Die Schlange ist mit umgezogen.
- Probieren
- Den Hähnchendöner mit allem. Vegetarisch gibt es ihn nur mit Gemüse und Feta.
- Beste Zeit
- Vormittags oder am frühen Nachmittag unter der Woche — abends wartest du am längsten
- Gut zu wissen
- Ob sich das Anstehen lohnt, ist in Berlin eine Glaubensfrage. Einmal probieren sollte man ihn.
- Adresse
- Mehringdamm 33, 10961 Berlin
4. Curry 36
Kreuzberg · Die Currywurst, an der sich alle messen

Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Ein paar Schritte von Mustafa's entfernt steht seit 1980 die bekannteste Currywurstbude West-Berlins. Hier essen Taxifahrer, Touristen, Nachtschwärmer und Politiker nebeneinander an Stehtischen — und alle bestellen ungefähr dasselbe.
Die Wurst gibt es mit oder ohne Darm, die Soße ist tomatig und mild, das Currypulver kommt großzügig obendrauf. Dazu Pommes rot-weiß. Curry 36 hat bis tief in die Nacht geöffnet und ist damit auch die verlässlichste Adresse nach dem Club.
- Probieren
- Currywurst ohne Darm — die Berliner Variante — mit Pommes rot-weiß
- Beste Zeit
- Spätabends
- Gut zu wissen
- Die Schlange sieht lang aus, geht aber schnell. Es gibt auch eine vegane Wurst.
- Adresse
- Mehringdamm 36, 10961 Berlin
5. Konnopke's Imbiss
Prenzlauer Berg · Ost-Berliner Currywurst unter der Hochbahn

Foto: Richard Mischau, Britta Mischau / Wikimedia Commons, CC0 Unter dem Viadukt der U2 an der Eberswalder Straße verkauft die Familie Konnopke seit 1930 Würste. 1960 brachte sie die Currywurst nach Ost-Berlin, und das Rezept der Soße ist bis heute Familiengeheimnis.
Während über dir die U-Bahn rattert, bekommst du hier die Gegenthese zu Curry 36: eine etwas würzigere Soße und eine Bude, die Mauerbau, Wende und die Verwandlung des Prenzlauer Bergs überstanden hat. Wer beide probiert, kann in der ältesten Berliner Streitfrage mitreden.
- Probieren
- Currywurst ohne Darm, die Schärfe wählst du selbst
- Beste Zeit
- Mittags
- Gut zu wissen
- Kein Nachtimbiss — Konnopke's schließt am Abend.
- Adresse
- Schönhauser Allee 44b, 10435 Berlin
6. Street Food auf Achse
Prenzlauer Berg · Foodtrucks im Hof der Kulturbrauerei

Der Hof der Kulturbrauerei, in dem der Markt stattfindet · Foto: Dosseman / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Jeden Sonntag rollen Foodtrucks aus Berlin und Brandenburg in die Backsteinhöfe der Kulturbrauerei. Das Angebot ist breiter als auf jedem anderen Markt der Stadt: Burger, Pulled Pork, Arepas, Dumplings, Flammkuchen, Churros — und für fast alles gibt es eine vegane Variante.
Der Markt ist entspannter und familienfreundlicher als der Donnerstag in der Markthalle Neun. Es gibt Bierbänke, oft Livemusik und genug Platz, um den Nachmittag hier zu verbringen.
- Probieren
- Was am längsten Schlange hat — die Trucks wechseln
- Beste Zeit
- Sonntagnachmittag
- Gut zu wissen
- Der Eintritt ist frei. Der Markt pausiert im tiefen Winter.
- Adresse
- Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin
7. Burgermeister
Kreuzberg · Burger aus dem alten Toilettenhäuschen

Foto: Burgermeister Berlin / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Unter dem Hochbahnviadukt am Schlesischen Tor steht ein grünes gusseisernes Häuschen, das einmal eine öffentliche Toilette war. Seit 2006 werden darin Burger gebraten — und sie gehören zu den besten der Stadt.
Inzwischen hat Burgermeister mehrere Filialen, aber das Original bleibt der Ort, an den man geht: draußen stehen, über einem die U1, um einen herum halb Kreuzberg auf dem Weg in die Nacht.
- Probieren
- Den Meisterburger und die Chili-Cheese-Fries
- Beste Zeit
- Abends, bevor es in die Bars und Clubs rund ums Schlesische Tor geht
- Gut zu wissen
- Gegessen wird im Stehen und bei jedem Wetter.
- Adresse
- Oberbaumstraße 8, 10997 Berlin
8. Türkischer Markt am Maybachufer
Neukölln · Gözleme, Oliven und frischer Saft am Kanal

Foto: Reinhold Möller Ermell / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Zweimal in der Woche zieht sich am Landwehrkanal entlang einer der größten und lebendigsten Wochenmärkte Berlins. Zwischen Obstbergen, Stoffballen und Gewürzen findest du alles, was man aus der Hand essen kann: frisch gebackene Gözleme, Börek, gefüllte Weinblätter, Falafel, Dips zum Mitnehmen und frisch gepresste Säfte.
Am besten kaufst du dir an mehreren Ständen etwas zusammen und setzt dich damit ans Ufer. Am Ende des Marktes spielen oft Straßenmusiker.
- Probieren
- Gözleme mit Spinat und Käse, dazu frischer Granatapfelsaft
- Beste Zeit
- Dienstag oder Freitag ab dem späten Vormittag. Kurz vor Schluss wird vieles günstiger.
- Gut zu wissen
- Nur dienstags und freitags. Bargeld mitnehmen.
- Adresse
- Maybachufer, 12047 Berlin
9. Dong Xuan Center
Lichtenberg · Klein-Hanoi in Lichtenberg

Der Eingang an der Herzbergstraße, 2012 · Foto: Fridolin freudenfett (Peter Kuley) / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 In einem Gewerbegebiet im Osten der Stadt liegt Berlins größter asiatischer Großmarkt: mehrere lange Hallen voller Lebensmittel, Stoffe, Friseure und Nagelstudios — und dazwischen vietnamesische Garküchen, die für die Händler kochen und nicht für Touristen.
Hier bekommst du eine Pho, wie sie in der Innenstadt selten auf den Tisch kommt, dazu Bún Chả, Bánh Mì und Gerichte, für die es keine deutsche Übersetzung auf der Karte gibt. Nimm dir Zeit für einen Gang durch die Hallen.
- Probieren
- Pho Bo, Bún Chả, zum Abschluss ein vietnamesischer Eiskaffee
- Beste Zeit
- Mittags am Wochenende, wenn die vietnamesischen Familien selbst essen gehen
- Gut zu wissen
- Dienstags ist Ruhetag. Mit der Tram gut zu erreichen.
- Adresse
- Herzbergstraße 128–139, 10365 Berlin
10. Azzam
Neukölln · Hummus auf der Sonnenallee

Die Sonnenallee in Neukölln · Foto: Leonhard Lenz / Wikimedia Commons, CC0 Die Sonnenallee ist Berlins arabische Straße, und Azzam ist ihr bekanntester Imbiss. Der Hummus wird hier frisch und warm serviert, cremig, mit reichlich Olivenöl — dazu kommen ungefragt ein Teller mit Gemüse, Minze und eingelegten Gurken sowie ein Stapel Fladenbrot.
Es ist laut, eng und schnell, und genau so soll es sein. Für sehr wenig Geld stehst du hier satter vom Tisch auf als in den meisten Restaurants der Stadt.
- Probieren
- Musabaha — Hummus mit ganzen Kichererbsen — und die Falafel
- Beste Zeit
- Spätes Frühstück oder früher Nachmittag
- Gut zu wissen
- Tische werden geteilt. Bargeld mitnehmen.
- Adresse
- Sonnenallee 54, 12045 Berlin
Neue Stände, Pop-ups und Food-Märkte kündigen sich in Berlin selten groß an — meistens hängt einfach ein Plakat an der Ecke. Dort findest du, was diese Woche neu ist.
